Marlene Dietrich in Berlin: Spuren eines Weltstars

Gestern vor 30 Jahren, am 6. Mai 1992, starb einer der größten Stars, die Deutschland je hervorbrachte: Marlene Dietrich ist unvergessen – als Schauspielerin und Sängerin. Keine andere Showgröße ihrer Zeit ist in der Hauptstadt präsenter. Das liegt zum einen daran, dass Marlene Dietrich in Berlin geboren wurde und weltweit berühmt war, aber sicher auch daran, dass sie sich nie von den Nationalsozialisten vereinnahmen ließ. Das Gedenken an die Diva ist unbelastet. Ich zeige euch, wo ihr der Stilikone begegnen könnt.

Infotafel Marlene-Dietrich-Platz

Marlene – Kindheit in Berlin

Am 27. Dezember 1901 erblickte Marie Magdalene Friedrich in der Sedanstraße 53 in Schöneberg (damals noch nicht Berlin) das Licht der Welt. Gleich mehrfach wird dem Weltstar an ihrem Geburtshaus in der heutigen Leberstraße 65 gedacht. Ihr findet dort eine Infotafel, eine kunstvolle Bronzetafel sowie eine Berliner Gedenktafel.

Marlene Dietrich Berlin Gedenktafel
Berliner Gedenktafel Leberstr. 65

Die Wohnung der Familie befand sich im Vorderhaus im ersten Stock, ihr Vater arbeitete im Erdgeschoss im Polizeirevier als Polizeileutnant. Bereits 1904 zogen die Dietrichs in die Schöneberger Kolonnenstraße 48/49. Doch auch dort lebte Marlene nur wenige Jahre, denn nach dem frühen Tod ihres Vaters 1907, hatte die Familie wohl finanzielle Schwierigkeiten. Es folgten etliche Umzüge, erst in den Tiergarten und schon ein Jahr später nach Westend. Außer an ihrem Geburtshaus, findet ihr noch in der Potsdamer Straße 116 eine Erinnerung an die berühmte Bewohnerin. Eventuell hätte man die Andenken ja etwas besser verteilen können!

Gedenktafel Marlene Dietrich Berlin
Gedenktafel Marlene Dietrich Berlin

Marlene-Schwarm Henny Porten

Marlenes frühe Leidenschaft galt der Stummfilmdiva Henny Porten. Bis zu sechs Mal soll sie sich ihre Filme im Kino angesehen haben, sie kaufte sofort jede neue Starpostkarte und schickte Geschenke an ihr Idol.

Starpostkarte von Henny Porten
Starpostkarte von Henny Porten

Sie harrte wohl auch persönlich vor Portens Villa aus, um ihr ein Bild zu überreichen und spielte ihr ein Ständchen auf der Geige zu ihrem Geburtstag. So schaffte es die junge Marlene sogar, von ihrem Schwarm auf ein Stück Kuchen und eine Tasse Kakao eingeladen zu werden. In den Wochen, in denen Marlene in einem bekannten Stummfilm-Begleitorchester Geige spielte, verlangte sie einen Platz in der ersten Reihe bei Henny-Porten-Filmen. Ihr Engagement wurde sie übrigens so schnell wieder los, weil sie die männlichen Kollegen zu sehr ablenkte.

Der Weg zum Star

Marlene wollte zum Film und ihr Onkel Willi Felsing konnte ihr 1922 erste Kontakte vermitteln. Acht Jahre lange hangelte sie sich daraufhin durch unzählige Stummfilme und Bühnenproduktionen wie Kabaretts, Musicals und Revuen. In diesen war sie jedoch meistens lediglich in Neben- oder sogar Statistenrollen besetzt. Unter anderem spielte sie 1926 an der Seite von Claire Waldoff in der Revue „Von Mund zu Mund“. Die berühmte Chansoniere nahm die Dietrich damals unter ihre Fittiche, gab ihr bei sich zu Hause Gesangsunterricht und führte sie in die einschlägigen Nachtclubs der queeren Szene Berlins ein.

Wer Marlene letztendlich für „Der blaue Engel“ entdeckte, ist nicht so ganz klar. Eine Version lautet, dass der Hotelerbe Louis Adlon seinen Stammgast Emil Jannings in eine ihrer Revuen schickte und der sie daraufhin dem Regisseur Josef von Sternberg zeigte. Wie auch immer – der Film wurde 1930 zu ihrem Durchbruch – ebenso wie für ihren Co-Star Hans Albers – und schon bald verließ sie Berlin mit Sternberg Richtung Hollywood. Dort gelang es ihr, zu einem der größten Weltstars ihrer Zeit aufzusteigen.

Kinemathek Berlin: Marlene Dietrich & Emil Jannings
Deutsche Kinemathek: Der blaue Stern

Über die Produktion des Filmes könnt ihr euch einiges in der Deutschen Kinemathek am Potsdamer Platz ansehen. Ohnehin bildet die Marlene-Dietrich-Sammlung das Herzstück des Filmmuseums. Den Besuch kann ich euch ohnehin nur ans Herz legen, wenn ihr euch für die Frühzeit des Kinos interessiert!

Deutsche Kinemathek Berlin
Deutsche Kinemathek Berlin

Dort gibt es übrigens auch eine kleine Sammlung zu Henny Porten und den anderen Stummfilmgrößen wie Fern Andra und Asta Nielsen.

Gedenkorte in Mitte

Direkt vor dem Museum findet ihr den heruntergekommenen Boulevard der Stars, wo Marlene ein Stern gewidmet wurde. Leider kümmert sich darum schon lange niemand mehr – warum überhaupt etwas Legendäres kopieren? Das kann ja nur scheitern.

Ein kaum weniger trauriges Bild bietet sich euch wenige Schritte weiter am Marlene-Dietrich-Platz. Was vielleicht mal gut gedacht war, ist ziemlich schief gegangen. Glamour hat der Ort leider so gar keinen. Aber im Gegensatz zu Hildegard Knef hat es die Diva noch gut erwischt. Deren Namen trägt ein hässlicher Bahnhofsvorplatz mit dreckigen Bushaltestellen.

Marlene-Dietrich-Platz Berlin
Gedenktafel Marlene-Dietrich-Platz

Und wer mal zufällig im Madame Tussauds ist, der kann sich dort mit Marlene im neuen 20er-Jahre-Bereich ablichten. Hier auf dem Foto ist sie mit Else und Arne vom Goldstaub Podcast.

© Madame Tussauds Berlin

Marlene und die Nationalsozialisten

Goebbels höchstpersönlich soll mehrfach versucht haben, Marlene zur Rückkehr nach Deutschland zu bewegen. Die UFA machte zahlreiche Filmangebote, die sie alle ablehnte. Aus der Ferne war das natürlich etwas einfacher als für Stars, die noch hier lebten. Allerdings beließ sie es nicht bei Absagen – sie bezog politisch deutlich Stellung. Sie nahm 1939 nicht nur die amerikanische Staatsbürgerschaft an, sie trat 1944 und 1945 in Europa und Afrika vor amerikanischen Soldaten auf. Allerdings erklärte sie auch, dass sie nicht die Deutschen hasse, sondern Nazis. 1955 besang sie mit ihrer melancholischen Stimme ihren inzwischen sprichwörtlichen „Koffer in Berlin“. Dennoch galt sie in ihrer Heimat in der Nachkriegszeit vielen als Vaterlandsverräterin. Was ihr damals Verachtung entgegenbrachte, macht es heute umso leichter, sich für sie zu begeistern! Und sie ist wirklich noch präsent. Vor wenigen Wochen hingen in der ganzen Stadt riesige Werbeplakate der Deutschen Kinemathek mit ihrem Bild.

Werbeplakat Marlene Dietrich Berlin
Werbeplakat Deutsche Kinemathek in Kreuzberg

Und auch die Lange Nacht der Museen hat Marlene als Werbegesicht gewählt – in einer Reihe mit Nofretete, die oft als schönste Berlinerin bezeichnet wird. Sollte sie irgendwann wider Erwarten den Gang der Benin-Bronzen gehen, dann bekommt bestimmt Marlene den Titel.

Die späten Jahre

Erst viel später kam es zu einer ersten Aussöhnung. Im Mai 1960 trat Marlene Dietrich in Berlin das erste Mal wieder auf. Der damalige Bürgermeister Willy Brandt soll sie nach dem Konzert mit Standing Ovations gewürdigt und damit das Eis gebrochen haben. 1987 machte Marlene ein erneutes Friedensangebot: sie gibt ihrer Autobiografie den Titel „Ich bin, Gott sei Dank, Berlinerin“.

Beerdigt wurde sie 1992 auf eigenen Wunsch auf dem III. Städtischen Friedhof Stubenrauchstraße, wo auch ihre Mutter lag. Zu ihrem 100. Geburtstag ernennt Berlin sie zur Ehrenbürgerin. Spät, aber immerhin. Ihr Grab ist inzwischen ein Berliner Ehrengrab auf dem Vergissmeinnicht blühen.

Marlene Dietrich und Berlin

Es gäbe noch so viel mehr zu erzählen. Von dem Billy-Wilder-Film „A Foreign Affair“, in dem sie eine deutsche Barfrau im Berlin der Nachkriegszeit spielte. Oder von ihrem letzten Film „Schöner Gigolo, armer Gigolo“ von 1978 mit David Bowie, der in ihrer Geburtsstadt spielt. Wer mehr wissen will: es gibt ohne Ende Literatur über Marlene und auch Filmbücher über Berlin widmen sich ihr.

Literatur zu Marlene Dietrich

Und hier noch ein kleiner Geheimtipp: Im Deutschen Technikmuseum gibt es in der Abteilung Fototechnik eine interaktive Morphingstation. Dort könnt ihr ein Foto von euch machen und unter den Promis, die zur Auswahl stehen, Marlene Dietrich auswählen. Per Schieberegler könnt ihr dann Stück für Stück zu eurem Idol werden … naja, naja …

1 thought on “Marlene Dietrich in Berlin: Spuren eines Weltstars

  1. Werner says:

    Ja, die Marlene war ein recht schillernder Star, was auch in ihren letzten Jahren in Paris – sie lebte recht schmuddelig in ihrem Apartment – zum Ausdruck kam. Die Eitelkeit ließ sie nicht in Würde altern. Folgender Satz fiel mir auf: ‚Allerdings erklärte sie auch, dass sie nicht die Deutschen hasse, sondern die Nazis.‘ Das ist im Moment wieder superaktuell!

    Interessanter Text!
    Werner

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.