Kultur & Geschichte

Auf den Spuren von Hildegard Knef in Berlin

Lange bevor ich mich für Filmgeschichte, Chansons oder Berlin interessierte, kannte ich Hildegard Knef. Ihr Hit „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ in der Coverversion mit Extrabreit wurde 1992 bei VIVA und MTV rauf und runter gespielt. Und ich hab das Lied geliebt. Trotzdem hab ich mich bisher mit keinem anderen Text schwerer getan – vielleicht, weil es so viel mehr zu sagen gäbe, als ich hier schreiben kann. Ein Jahr hab ich immer wieder alles verworfen, jetzt hau ich das aber endgültig raus: Hier könnt ihr Hildegard Knef in Berlin noch immer begegnen.

Natürlich hab ich mich ein bisschen eingelesen …

Hildegard Knef – kleine Biografie

Hier gleich die erste Überraschung: Auch wenn man Hildegard Knef als Ur-Berlinerin wahrnimmt, geboren wurde sie 1925 in Ulm. Sie war also Schwäbin (erfreut mich ein kleines bisschen), kam allerdings schon 1926 mit ihrer Mutter nach Berlin, nachdem der Vater an Syphilis gestorben war. Sie zogen in die Bernhardstraße, allerdings hielt sie sich oft bei den Großeltern in der Leberstraße 33 auf, wo ihr heute eine Gedenktafel findet. Nur ein paar Häuser weiter wurde 1901 übrigens Marlene Dietrich geboren, kennengelernt haben sich die beiden aber erst Ende der 40er Jahre in den USA.

Hildegard Knef Berlin – Gedenktafel
Gedenktafel an ihrer ersten Berliner Adresse

Mit 15 gewann sie ein Preisausschreiben der UFA, das ihr ein Stipendium für die Ausbildung zur Trickzeichnerin einbrachte. Dort wurde sie 1943 dann für den Film entdeckt. Allerdings musste ein Nachwuchstalent damals durch Propagandaminister Goebbels abgesegnet werden, was dieser im Fall von Hilde auch tat – ihre Nase schien ihm aber nicht zu gefallen, die müsse operiert werden. 1944 war es dann soweit und sie drehte ihren ersten Film, aus dem sie allerdings herausgeschnitten wurde.

UFA-Fahnen in Babelsberg

Lange umstritten waren ihre Schilderungen, wie sie 1945 als Mann verkleidet im Volkssturm gekämpft und in polnische Kriegsgefangenschaft geraten war. (Das könnt ihr in einem Tagesspiegel-Artikel dazu genauer nachlesen). Nach dem Krieg ging sie zunächst ans Theater, erst an die Tribüne am Ku’damm, dann zum Schlossparktheater. Dort wurde sie erneut für den Film entdeckt und spielte im ersten deutschen Nachkriegsfilm mit: „Die Mörder sind unter uns“ von 1946. Mit ihrem ersten Mann (sie war 3x verheiratet) zog sie im folgenden Jahr in die USA, kehrte aber 1951 für einen Skandalfilm nach Deutschland zurück.

Die Sünderin

Unter der Regie von Willi Forst entstand ein Film, in dem die Knef eine Prostituierte spielte. Einige Sekunden lang war ihr nackter Busen zu sehen, damals ganz schön ungehörig. Die Kirchen riefen empört zum Boykott auf, es sollen sogar Pfarrer Stinkbomben in Kinos geworfen haben. Das Bundesverwaltungsgericht entschied aber gegen eine Zensur, denn es handle sich um ein Kunsterzeugnis. Der Film wurde auch in Berlin ein voller Erfolg – oder wie Oliver Ohmann es in seinem Filmgeschichte-Buch ausdrückte: „… sofort berühmt und berüchtigt“.

Im Madame Tussauds

Im Madame Tussauds in Berlin steht in der Abteilung „Bemerkenswerte Frauen“ eine Wachsfigur von Hildegard Knef, die das Outfit der Prostituierten Marina aus eben diesem Film trägt. Sieht für mich ja wie ein edles Abendkleid aus.

Hildegard Knef Berlin – Madame Tussauds
Wachsfigur im Outfit aus „Die Sünderin“

Deutsche Kinemathek Berlin

Auch wenn ein großer Fokus in der Deutschen Kinemathek am Potsdamer Platz auf Marlene Dietrich liegt, wird auch Hildegard Knef ausgiebig gewürdigt. Sie wird als „erster deutscher Nachkriegsfilmstar“ bezeichnet, der in sogenannten Trümmerfilmen Frauen verkörperte, die zwar durch ihre Kriegserfahrungen geprägt wurden, aber dennoch unerschrocken in die Zukunft blickten. 2005 gab es auch mal eine ihr gewidmete Sonderausstellung.

Hildegard Knef Berlin – Kinemathek
Hildegard Knef umgeben von Trümmern in der Kinemathek

Und auch unter den Starpostkarten im Filmmuseum könnt ihr Hilde natürlich finden. Könnt ihr euch aber auch für unter 5 Euro bei Ebay selbst kaufen. Ohne original Autogramm allerdings, mit wird es etwas teurer.

Starkarte in der Kinemathek

Ich kaufe mir dieses alte Filmzeug öfter mal. Kostet fast nichts und bietet sich für Fotos an. Macht außerdem einfach Spaß, ein bisschen in den Filmheften von anno dazumal zu schmökern. Hier seht ihr das Heft zu dem Klassiker „Nachts auf den Straßen“ von 1952 mit Hans Albers. Der Film wurde in nur 3 Wochen gedreht, weil Hilde bereits einen Vertrag für einen weiteren Film in den USA in der Tasche hatte.

Meine Ebay-Schätzchen

Wenn ihr die Deutsche Kinemathek verlasst, dann könnt ihr direkt am Mittelstreifen davor noch den sagenhaften Boulevard der Stars besuchen und ihren Stern bewundern. Vergammelt und verwittert wie alle anderen. Oder wie es der Bund der Steuerzahler formuliert: „Der billig anmutende Abklatsch des Walk of Fame in Hollywood gibt mittlerweile ein armseliges Bild ab. Geehrt dürfte sich hier schon lange kein Promi aus der Filmwelt mehr fühlen.“ Er schlägt übrigens vor, die Sterne zu versteigern. Noch sind sie aber da.

Hildegard Knef Berlin – Stern
Stern für Hildegard Knef

Hilde im Lippenstiftmuseum

Wer sich auf die Spuren von Hildegard Knef in Berlin macht, der kommt an einem Ort auf keinen Fall vorbei: dem Lippenstiftmuseum. Gründer René Koch war nicht nur ihr Visagist, sondern auch ein enger Freund. Zahlreiche Briefe und Karten von ihr an ihn, die er mir bei meinem Besuch stolz wie Bolle gezeigt hat, lassen auf eine sehr herzliche Freundschaft schließen. Und tatsächlich entführt das putzige Museum nicht nur in die Kulturgeschichte des Lippenstiftes, sondern entpuppt sich auch als Hildegard-Knef-Sammlung.

Hildegard Knef Berlin – Lippenstiftmuseum
Knef-Zeitungscover als Kunstwerke

Gut gefallen haben mir die Zeitschriften-Cover mit Hildegard Knef darauf, die an den Lippen koloriert wurden. Bei der spannenden Führung habe ich dabei auch erfahren, dass sie das Titelbild der ersten Ausgabe des Stern zierte. Das war 1948. Auf dem Foto seht ihr außerdem links im Bild ihr Brautkleid. Und auch der sprichwörtliche Koffer in Berlin der Knef steht hier im Museum.

Hildes Koffer im Lippenstiftmuseum

Die Ausstellung hat übrigens keine regulären Öffnungszeiten, ihr könnt sie nur im Rahmen von Führungen oder privaten Kaffeekränzchen besuchen. Dafür ist das Ganze aber auch sehr persönlich. Besonders gerne scheint der Hausherr die Anekdote von einer verlorenen falschen Wimper zu erzählen, die sich am Ende an einer Schuhsohle wiederfand. Sorry für den Spoiler!

Knef-Wimpern

Mehr Würdigungen in Berlin

Vielleicht sollte man nicht meckern, immerhin ist es nicht nur ein Weg oder eine Straße, sondern gleich ein ganzer Platz, allerdings ist der Hildegard-Knef-Platz am Südkreuz meiner Meinung nach schlecht gewählt. Hässlicher geht es ja kaum – ein zubetonierter Bahnhofsvorplatz, an dem Busse abfahren. Naja, zumindest in bester Gesellschaft der großen Frauenrechtlerin Hedwig Dohm.

Hildegard-Knef-Platz Berlin
In guter Gesellschaft

Und zu guter Letzt: die Ruhestätte der 2002 in Berlin verstorbenen Diva ist ein Berliner Ehrengrab. Ihr findet es auf dem Waldfriedhof Zehlendorf. Ich bin ganz schön lange umhergeirrt, bis ich fündig wurde, aber beim Spaziergang dort werdet ihr auf viele weitere bekannte Namen treffen.

Hildegard Knef Berlin – Ehrengrab
Berliner Ehrengrab

Spuren von Hildegard Knef

Es gäbe noch so viel mehr aus ihrem Leben zu erzählen oder Orte zu nennen (es gibt in Berlin allein 16 Wohnorte von Hildegard Knef), die Geschichten über sie füllen ganze Bücher – wer irgendwas hinzufügen möchte, kann sehr gerne einen Kommentar hinterlassen.

Auf jeden Fall ist sie in Berlin unvergessen und ich sehe in regelmäßigen Abständen Plakate für Konzerte oder Theaterstücke, in denen es um sie geht. Das Theater im Palais spielt beispielsweise immer wieder „Hildegard Knef: Ich glaub‘, ’ne Dame werd‘ ich nie“. Ich hab es aber noch nicht gesehen.

4 Comments

  • Werner

    Hi, Tina!

    Schöner Artikel über die Knef! Wie so viele Promis aus jener Zeit war sie ein recht schillernder Star, der nicht wenig auf die eigene Karriere fixiert war. Ich radle immer wieder mal in der Ulmer Turmgasse am Ort des einstigen Geburtshauses der Knef (steht nicht mehr) vorbei. Sie war nur ein paar Monate alt, als die Mutter mit ihr nach Berlin zog, nachdem der Vater an der Syphilis gestorben war. Dennoch war sie neben Einstein der bekannteste in Ulm geborene Promi. Ein Platz ist nach ihr benannt.

    Viele Grüße nach Berlin!
    Werner

    • Tina Hoffmann

      Lieber Werner,
      wie sieht denn der Knef-Platz in Ulm aus? Hoffentlich schöner als der in Berlin!
      Dass Einstein aus Ulm kommt wusste ich nicht, aber für Berlin steht er schon auf meiner Themenliste.
      Liebe Grüße
      Tina

      • Werner

        Eigentlich nur ein weiter, offener und wenig begangener Vorplatz von Ulms Paradehotel Maritim abseits der Innenstadt. Es scheint geradezu so, als wolle man die Knef ehren, aber eben nur ein bisschen :). Sie verband mit ihrer Geburtsstadt wenig, 1947 schaute sie einmal vorbei. Tja, es war nicht gerade ein Liebesverhältnis :).

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