Rothaarige in Berlinfilmen: Lola, Cleo und Undine

Ich bin ein großer Kinofan und besuche gerne Drehorte – vor allem natürlich in Berlin. Und so sehr ich als Kind rote Haare hasste, so sehr liebe ich sie heute. Meine persönlichen Erfahrungen decken sich dabei durchaus mit einem gesellschaftlichen Wandel. Früher mussten Rotschöpfe Spott und Häme über sich ergehen lassen, heute werden sie für ihre Außergewöhnlichkeit gefeiert – auch in Filmen und Serien. Also dachte ich mir, warum nicht mehrere Leidenschaften verbinden und auf den Spuren Rothaariger in Berlinfilmen wandeln? Drei Werke, die ebenso Liebeserklärung an die Stadt wie an die Protagonistinnen sind, habe ich für euch herausgesucht.

Cleo (2019)

„Man muss nur die Zeiger rückwärts drehen und die Zeit spult zurück”! So erzählt es der imaginäre Archäologe Heinrich Schliemann der jungen Cleo. Die magische Uhr sei Teil des geheimnisvollen Schatzes der Gebrüder Sass – eine der bekanntesten urbanen Legenden der Hauptstadt. Auf der Suche nach der Kostbarkeit kommt jedoch ihr Vater bei einem tragischen Unfall ums Leben, ihre Mutter verstarb bereits bei ihrer Geburt. Das Mädchen verschließt daraufhin ihr Herz vor der Welt. Regeln sollen sie durch ihren Alltag bringen. Nummer 1: „Niemanden zu nah an sich ranlassen“. Doch eines Tages tritt der abenteuerlustige Paul in ihr Leben. Seine alte Karte soll den Ort des Sass-Schatzes enthalten. So beginnt eine fantastische Reise durch Berlin und auch darunter. Ob am Ende ihr Traum in Erfüllung geht und sie ihre Eltern retten kann? Das müsst ihr selbst herausfinden …

Die Suche nach Drehorten gestaltet sich bei dem modernen Hauptstadt-Märchen besonders einfach. Unzählige Sehenswürdigkeiten flimmern hier und da durchs Bild: der Fernsehturm, die Siegessäule, das Tempelhofer Feld, das Brandenburger Tor und viele mehr. Längere Szenen wurden unter anderem an der Oberbaumbrücke, der Abhörstation auf dem Teufelsberg, dem Körnerpark in Neukölln und im Märkischen Museum gedreht.

Oberbaumbrücke – Drehort Cleo

Cleo von Regisseur Erik Schmitt macht wirklich Spaß – Marleen Lohse finde ich einfach bezaubernd! Mit ihren natürlichen, roten Locken passt sie perfekt in die Rolle der verträumten, übersinnlichen Cleo, die mit den Erscheinungen einstiger Größen der Stadt sprechen kann. Der Körnerpark, der irgendwie märchenhaft wirkt und im Film nicht nur in der Schlussszene auftaucht, war für mich eine tolle Neuentdeckung.

Undine (2020)

Liebesdrama, Berlinhommage, Märchen – der Film von Regisseur Christian Petzold ist alles in einem. Angelehnt und ins Berlin der Gegenwart transportiert wurde die Hauptfigur an den mythischen Wassergeist Undine. Und so zieht sich das Element Wasser auf tragische Weise auch durch den gesamten Streifen. 

Die Geschichte beginnt in dem inzwischen geschlossenen Hofcafé des Märkischen Museums. In diesem arbeitet die rothaarige Historikerin, die von der Schauspielerin Paula Beer verkörpert wird. Die einleitende Schlussmachszene verstört ein wenig – Undine droht ihrem Freund Johannes an, ihn zu töten, sollte er die Beziehung beenden. Doch sie verliebt sich bald neu, in den Industrietaucher Christoph. Alle scheint sich zum Guten zu wenden, bis Undine bei einem Spaziergang durch Mitte Johannes mit seiner neuen Freundin begegnet – ein unheilvoller Strudel aus Ereignissen bricht sich Bahn … Dass Undine rote Haare hat verwundert wenig, denn sie stehen oftmals für das Mythische, Außergewöhnliche und werden gerne mit Meerjungfrauen, Elfen und Hexen assoziiert.

Märkisches Museum – Drehort Undine

Die Drehorte in Berlin könnt ihr relativ leicht auch ablaufen, denn die meisten befinden sich in Mitte. Neben dem Märkischen Museum sieht man den Hauptbahnhof, den Hackeschen Markt und den Alexanderplatz, den Undine von ihrem kleinen Apartment aus sehen kann. Die Unterwasserszenen spielen leider alle nicht in der Spreemetropole, dabei wären gerade die besonders spannend und ungewöhnlich gewesen. Der Film ist insgesamt für mich persönlich etwas zu schwermütig – aber das ist natürlich Geschmackssache.

Lola rennt (1998)

Ein absoluter Klassiker unter den Berlinfilmen und vermutlich die berühmteste Rothaarige, die jemals in der Hauptstadt unterwegs war – Lola! Auch wenn die leuchtend rote Mähne natürlich nicht echt ist. 

Lola-Plakat Deutsche Kinemathek

Tom Tykwers international bekanntes Werk handelt von der Geschichte des Pärchens Manni und Lola, gespielt von Franka Potente. Den beiden bleiben nur 20 Minuten, um 100.000 Mark aufzutreiben. Erzählt wird die Story in drei Versionen mit unterschiedlichem Ende. Alle Szenen wurden vor Ort gedreht und ihr habt beim Drehorte-Abklappern die Qual der Wahl:

  • Alexanderplatz
  • Rathaus Schöneberg
  • DHM im Zeughaus
  • Kronprinzenpalais
  • Friedrichstraße
  • Monbijoubrücke
  • Bode Museum
  • Gendarmenmarkt

Eine der wohl berühmtesten Szenen spielt am Bebelplatz, wo Lola erst erfolglos versucht Geld zu schnorren, um dann die fiktive Deutsche Transfer Bank zu überfallen. Zum Zeitpunkt des Drehs stand das Gebäude leer – heute ist dort das luxuriöse Hotel de Rome untergebracht. Auf dem Dach scheint sich da nun eine Sonnenterrasse zu befinden. Legendär ist auch, wie Lola über die Oberbaumbrücke hetzt.

Lolas knallig gefärbten Haare stehen hier für mich definitiv für Power. Sie lösten damals einen frühen Ginger-Hype aus. Vor allem in Großbritannien, wo in etlichen Friseursalons die Farbe „Lola red“ ein Renner war.

Fazit Rothaarige in Berlinfilmen

Mein absoluter Favorit unter den Filmen mit Rothaarigen in Berlin ist Cleo. Er ist tragisch und trotzdem leichtfüßig, heiter und – ich verrate es einfach mal – mit richtig süßem Happy End. Unter den Drehorten ist eigentlich eher wenig, was man als BerlinerIn nicht ohnehin kennt – die Oberbaumbrücke jedenfalls scheint ebenso wie der Fernsehturm eine unverzichtbare Kulisse für fast jeden Hauptstadtfilm zu sein. Zumindest für die Dreharbeiten zu Cleo muss dort eine Putzkolonne durchgewischt haben – so sauber hab ich das Movie-Wahrzeichen jedenfalls noch nie gesehen.

Ohne Berlinbezug, aber hier ein Artikel von mir über Rothaarige in Kinderfilmen und -serien.

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