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Abundo in Berlin: Die Kulturflatrate im Test

Als die Anfrage für eine Kooperation kam, hatte ich noch nichts von dem Kulturabo gehört, das ein schwedisches Start-up seit einiger Zeit auch in Berlin anbietet. Abundo möchte „auf simple und smarte Weise, mehr Drama in eure Leben bringen“, „Live-Erlebnisse für alle zugänglich machen“ und „eine Entdeckungsreise durch die Stadt, voller neuer Erlebnisse, Eindrücke und Erinnerungen“ ermöglichen – so konnte ich es jedenfalls auf ihrer Homepage lesen. Ich war gerne zu einem Test bereit und bekam 3 Monate lang ein Abo für 2 Personen bereitgestellt. Hier kommen meine Erfahrungen mit Abundo in Berlin.

Abundo – klappt das wirklich?

Nachdem ich meinen Account erstellt hatte, scrollte ich durch die Events, von denen mich im ersten Moment nur einige ansprachen. Aber ich entdecke auch gerne Neues und entschied mich für ein Theaterstück im „Theater im Palais“, wo ich bisher noch nie war. Als ich gebucht hatte, wurde ich informiert, dass ich dort an der Kasse meinen Namen und Abundo angeben sollte. Ich hätte lieber ein Ticket gehabt, da ich der Sache noch nicht 100 Prozent traute und leichte Zweifel hatte, ob das jetzt echt so einfach geht. Stellte sich heraus: ja, es geht so einfach. Wir bekamen unsere Karten und hatten sogar richtig gute Plätze.

Das Stück hat mich nicht unbedingt umgehauen, aber es war ein schöner Abend und ich freute mich, dass ich eine neue Location kennengelernt hatte.

Wie funktioniert Abundo?

Nachdem das so easy funktioniert hatte, war ich angefixt und wollte wild alles mögliche buchen. Ich stellte dann aber fest, dass man immer nur 2 aktive Buchungen haben kann. Man muss aus dem Angebot, das etwa die nächsten 6 Wochen abdeckt, also gezielter auswählen – was auch durchaus Sinn macht, sich aber dennoch als schwierig herausstellte, weil ständig Neues hinzukommt. Waaa!!! Am Anfang stornierte ich mehrfach, um etwas anderes zu buchen und hoffte, dass die andere Veranstaltung nach dem Besuch noch nicht vergriffen war. So lief es aber nur eine Weile, das wurde mir schnell zu nervenaufreibend. Ich verwendete immer eine Buchung mit Vorlauf für etwas, das ich unbedingt sehen wollte, und die zweite Buchung nutzte ich immer spontan. Am Ende konnte ich trotzdem alles sehen, was ich sehen wollte, denn auch wenn eine Veranstaltung als ausgebucht angezeigt wird (bei den Events kann man das an einer kleinen Ampel erkennen), könnt ihr euch auf Standby setzen und werdet dann informiert, falls wieder Tickets verfügbar sind. War bei mir beide Male auf Standby der Fall. Bei „Mord im Orientexpress“ mit Katharina Thalbach beispielsweise. Das wollte ich schon im Jahr vorher sehen, hatte aber keine Karten bekommen.

Und auch „Wonka“ konnte ich so gleich am ersten Spieltag mit meiner Tochter im „Kino in den Hackeschen Höfen“ sehen. Hugh Grant als Oompa Loompa – genial! Filme könnt ihr derzeit zudem im Lichtspiel-Kino ansehen. Ich persönlich liebe diese charmanten Indie-Häuser! Vieles läuft dort aber nur im Original und die meisten großen Blockbuster stehen nicht auf dem Programm.

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Kino in den Hackeschen Höfen – waren etwas früh

Wenn ihr durch das Angebot scrollt, dann wird euch von den einzelnen Events übrigens immer nur der nächste Termin angezeigt. Erst wenn ihr auf die Veranstaltung klickt, erscheinen alle Termine. Wollt ihr sehen, was an einem bestimmten Tag oder in einer bestimmten Woche angeboten wird, dann könnt ihr das über die Suchfunktion filtern, sobald ihr auf die Lupe klickt. Dort könnt ihr euch das Angebot zudem nach Genres sortieren.

Was ist alles im Angebot?

Neben den beiden Kinos sind vor allem Theater dabei. Besonders viele Stücke könnt ihr euch im „Maxim Gorki Theater“ und im „Deutschen Theater“ ansehen, aber die Bandbreite ist groß. Auch der „Heimathafen Neukölln“, das „Radialsystem“ und das „Renaissance-Theater“ sind dabei. Dort habe ich „Marlene“ mit einem wunderbaren Sven Ratzke als Marlene Dietrich gesehen, der am Ende tosende Standing Ovations erhielt.

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Sven Ratzke als Marlene Dietrich

Die Veranstaltungen der „Komischen Oper“ scheinen sehr begehrt zu sein, da habe ich bisher noch nie verfügbare Tickets gesehen. Möglicherweise sind die Kontingente sehr klein, denn Oper ist ja ein sehr kostspieliges Vergnügen. Zudem gibt es Poetry Slams, Kabarett, klassische Konzerte, Museen und Führungen. Derzeit sind Rundgänge von „Beyond and Beneath Tours“ buchbar, die Mikro-Touren zur Berliner Geschichte veranstalten. Ich habe an „Hinter Knastmauern“, an der Charité-Führung und an „Hansaviertel: Design für das Leben?“ teilgenommen – absolute Empfehlungen! Spannende, unbekannte Orte und Geschichten, die man auf eigene Faust nie entdeckt hätte. Ich werde definitiv auch noch deren andere Führungen mitmachen, die bei Abundo allesamt eine Weiterempfehlung von 100 Prozent haben.

Abundo in Berlin – Contra

Den ein oder anderen kleinen Haken gibt es natürlich. Ich persönlich finde 2 aktive Buchungen recht wenig. Will man sich 2 Veranstaltungen sichern, die erst in 4 bis 6 Wochen stattfinden, dann kann man in der Zwischenzeit das Abo nicht nutzen. Aber ok, ich verstehe, dass verhindert werden soll, dass Leute alles einfach mal buchen und dann kurzfristig schauen, ob sie Lust haben. Womit wir beim nächsten Haken wären: Stornierungen. Die sind kostenlos, wenn sie mindestens 24 Stunden vorher erfolgen. Ansonsten werden 10 Euro pro Ticket berechnet, bei Nichterscheinen ohne Stornierung werden sogar 29 Euro pro Person fällig. Klar, die Flatrate soll nicht missbraucht werden! Das wäre sowohl den Leuten gegenüber, die keine Tickets bekommen haben, als auch den Veranstaltungsorten bzw. Künstler*innen gegenüber unfair. Aber eine Strafgebühr, die genau dem monatlichen Preis des Abos entspricht, erscheint mir etwas hoch. Andererseits kann man ja bis zu Beginn der Veranstaltung günstiger stornieren und man erhält zudem am Tag vorher nochmal per Mail eine Erinnerung an die Buchung.

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Nur 2 aktive Buchungen

Und zuletzt: Ihr könnt eure Sitzplätze nicht auswählen (damit kann ich gut leben) und solltet einigermaßen spontan und flexibel sein. Die Museen beispielsweise bieten nur ein bestimmtes Zeitfenster pro Woche an. Dass man nur eine Veranstaltung pro Tag buchen kann, ist ein sehr kleiner Wermutstropfen, man hat ja auch noch anderes zu tun.

Kulturflatrate: Pro

Das große Pro ist natürlich der Preis. 29 Euro für ein personengebundenes Einzelabo bzw. 55 Euro für ein Plus-1-Abo, bei dem der oder die Inhaber*in immer andere Begleitungen dabei haben kann, ist nicht viel, wenn man das Angebot bedenkt. Ich habe in den vergangenen 7 Wochen Events im Wert von 564 Euro besucht (für 2 Personen). Allein unsere Plätze in der Parkett-Loge im Roncalli Weihnachtscircus hätten 85 Euro pro Person gekostet.

Ein weiterer Pluspunkt: Das große kulturelle Angebot in Berlin ist immer verfügbar, darum nutzt man es oft viel zu selten. Mit der Flatrate habe ich mich deutlich öfter aufgerafft als die letzten Jahre. Und dabei tolle neue Künstler*innen und Orte entdeckt. Ein echtes Highlight, bei dem ich ohne Abundo vermutlich nie gelandet wäre: Die „Operette für zwei schwule Tenöre“ im BKA-Theater! Das war so witzig, ich hab Tränen gelacht. In der nächsten Spielzeit des ersten schwulen Long Run Berlins wollen wir auf jeden Fall nochmal dabei sein.

Abundo – mein Fazit

Auf den ersten Blick war ich nicht überzeugt, inzwischen aber total! Ich werde das Plus-1-Abo auch nach meinen 3 kostenlosen Testmonaten weiter nutzen. Wer ohnehin regelmäßig an Kulturveranstaltungen teilnimmt, kann wenig falsch machen mit der Flatrate. Wobei man natürlich auch 55 Euro pro Monat erstmal entbehren können muss. An meinem Abo wird sich meine Mutter beteiligen, denn das Angebot trifft auch ihren Geschmack. Das war ohnehin mein Eindruck: Das Publikum war überall mindestens Ü40. Wer hofft, dass er mehrmals im Monat zu angesagten Rock- und Popkonzerten in die Waldbühne oder die Uber-Arena gehen kann, der wird enttäuscht werden. Das Abo ist aber monatlich kündbar, also warum nicht einfach mal einen (vergünstigten) Probemonat buchen? Das könnt ihr hier auf der Webseite von Abundo. Dort findet ihr auch alle wichtigen FAQs.

(Abundo hat mir das Abo zum Test zur Verfügung gestellt, für den Artikel habe ich kein Geld erhalten und er entspricht komplett meiner eigenen Erfahrung). Übrigens gibt es auch Kultur gratis in Berlin.

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