Walter Kollo: Berliner Lieder & Operetten
Seit Monaten kämpfe ich mich durch eine Wohnungsauflösung. Inzwischen bin ich in den Keller vorgedrungen, wo ich eine komplette Tüte voller alter Noten für Piano-Akkordeon fand, das bei uns in der Familie meines Wissens nach niemand spielte. Klar, könnte man ins Altpapier werfen und gut, aber ich fand es ganz spannend und hab mich stundenlang darin verloren. Als ich das Walter Kollo Album entdeckt habe, hatte ich sofort Lust auf diesen Text. Vielleicht kennt ihr seinen Namen nicht, aber die Berliner Lieder des Komponisten habt ihr bestimmt schon mal gehört.

Walter Kollo – Berlin-Evergreens
Der „populäre Komponist der leichten Muse“ (so wird er bei Deutschlandfunk Kultur genannt) wurde am 28. Januar 1878 in Ostpreußen als Elimar Walter Kollodzieyski geboren und studierte zunächst Kirchenmusik. Über das damalige Königsberg kam er 1899 nach Berlin und verlegte seine Arbeit auf die Unterhaltungsmusik. Er lebte zunächst mit Frau Marie und Sohn Willi in der Potsdamer Straße am Bülowplatz. Später zog die Familie in die Schwäbische Straße 26, wo sich über der Eingangstür eine Gedenktafel befindet.

Heute noch berühmt ist er vor allem für seine Zusammenarbeit mit Claire Waldoff (Artikel von mir in der Berliner Zeitung, leider mit Paywall). Für sie komponierte er das Lied, das ihren Durchbruch bedeutete: „Schmackeduzchen„. In seiner Operette „Drei alte Schachteln“, die über 3.000 mal aufgeführt wurde, sang sie „Ach Jott, watt sind die Männer dumm„. Kennt man bis heute in Berlin – vielleicht nur eine gefühlte Wahrheit – und ist auch in dem Walter Kollo Album abgedruckt.

Unter seinen Liedern, die sich speziell um Berlin drehen, finden sich Evergreens, Operettenlieder und Filmmusik wie:
- „Das ist der Frühling von Berlin“
- „Es war in Schöneberg im Monat Mai“
- „Die schönsten Beine von Berlin“
- „Die kleine Bank am Großen Stern“
- „Nach meine Beene is ja janz Berlin verrückt“
- „Solang noch Unter’n Linden“
Der letzten Song der Liste stammt aus der Revue „Drunter und Drüber“, die im Admiralspalast aufgeführt wurde. Mit diesem war Kollo, ebenso wie sein Sohn Willi, eng verbunden. Zu seinem 70. Todestag wurde für das erfolgreiche Gespann darum eine Gedenktafel am Admiralspalast angebracht. Oder zumindest im Durchgang.


Ende der Zwanziger Jahre kam der Stil Kollos allmählich aus der Mode. Spätestens 1933 endete mit der Machtübernahme der Nazis endgültig die Ära der frechen, leichten Berliner Lieder, da diese vor allem von jüdischen Textdichtern geprägt wurden. Walter Kollo zog sich immer mehr zurück und verstarb am 30. September 1940 in Berlin.
Ehrengrab für Walter Kollo
Auf seinen eigenen Wunsch hin wurde Kollo in der Nähe des von ihm verehrten Opernkomponisten Albert Lortzing auf dem Sophienfriedhof II in Mitte begraben, der auch als Musikerfriedhof bekannt ist. Beispielsweise könnt ihr dort auch das Ehrengrab des Klavierbauers Carl Bechstein finden (bzw. nicht übersehen).


Das Ehrengrab Kollos befindet sich Feld IX-1-40-41 direkt am Nebeneingang in der Ackerstraße. Auf einer Tafel wurden einige seiner berühmtesten Lieder eingraviert.


Ein weiterer Ort, der in Berlin an ihn erinnert, ist die Walter-Kollo-Straße in Teltow. Dort wollte ich nicht extra hinfahren, aber falls jemand dort wohnt – ich würde mich sehr über ein Foto des Straßenschildes freuen!
Berliner Musikgeschichte
Natürlich gäbe es noch weit mehr über den bedeutenden Akteur der Berliner Musikgeschichte zu sagen. Beispielsweise war Walter Kollo 1915 Gründungsmitglied der GEMA, die heute nicht unbedingt beliebt ist. Aber wie immer soll das hier ja keine Biografie sein, sondern eine kleine Anregung, mit offenen Augen durch Berlin zu gehen und die Spuren der Vergangenheit zu entdecken. So viele tolle Menschen haben unsere Stadt geprägt! Lust auf mehr? Dann lest auch:
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Schon in Planung sind Albert Einstein, James Simeon und Erich Kästner … Auf wessen Spuren sollte ich mich in Berlin noch begeben? Habt ihr eine Idee? Dann hinterlasst mir unbedingt einen Kommentar.


