Fritzi Massary in Berlin

Heute vor 140 Jahren wurde Friederike Massarik in Wien geboren, die Anfang des 20. Jahrhunderts als Fritzi Massary zu einem der größten Bühnenstars Berlins aufstieg. Die Tochter einer jüdischen Kaufmannsfamilie wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf, aber mit dem unbedingten Willen, Schauspielerin und Sängerin zu werden. Sie erhielt Gesangsunterricht und arbeitete diszipliniert und zielstrebig an ihrer Karriere. 1904 kam die damals 22jährige in die Spreemetropole – und schon bald lag Fritzi Massary Berlin zu Füßen!

Anfänge am Metropol-Theater

Sie startete mit Engagements im Metropol-Theater, wo sie Operetten von Victor Hollaender und Paul Lincke sang. An der Stelle der einst weltbekannten Bühne steht heute übrigens die Komische Oper, die ihre Lounge nach dem Star benannt hat.

Sie stieg schnell zum Star auf und bekam ab 1912 immer mehr Hauptrollen. Ihren endgültigen Durchbruch feierte die Sopranistin 1915 mit der Leo-Fall-Operette „Die Kaiserin“. In der Rolle der Maria Theresia sang sie „Du mein Schönbrunn, mein liebes Schönbrunn“ und avancierte immer mehr zur Berliner Sehenswürdigkeit. „Die Massary“ sehen war damals bei einer Berlinreise fast ein Muss.

Zunehmend verlangte sie, dass Rollen für sie umgeschrieben werden sollten. Als sie beispielsweise erreichte, dass sie anstelle von Claire Waldoff in „Madame Pompadour“ den Hit „Joseph, ach Joseph, was bist du so keusch“ singen durfte, schmiss diese ihre Rolle hin. Später wurden ihr die Parts einfach direkt auf den Leib geschrieben, und sie trat in vielen großen Häusern Berlins auf, auch im Friedrichstadt-Palast.

Die Perlen der Cleopatra

Eine ihrer Paraderollen, die speziell für sie komponiert wurden, war die der Cleopatra. Die Operette „Die Perlen der Cleopatra“ aus dem Jahr 1923 steht seit ein paar Jahren auch wieder auf dem Programm der Komischen Oper, ebenso wie andere Erfolge dieser Zeit. Einer ihrer Partner in dieser Rolle war übrigens Hans Albers. Während Massary 600 Mark Abendgage erhielt, musste sich Albers mit 20 Mark begnügen. Da stand er natürlich noch ganz am Anfang seiner Karriere.

Fritzi Massary in Berlin
Massary in „Die Perlen der Cleopatra“

Inzwischen waren es schon lange nicht mehr die deutschen Komponisten, deren Stücke Fritzi Massary in Berlin erfolgreich machte. „Die Massary-Operette ist zwar nirgends erfolgreicher als auf Berliner Bühnen, aber sie kommt nicht aus Berlin. Ihre Schöpfer sind {…} Repräsentanten der österreichisch-ungarischen, der Wiener Operette: Emmerich Kálmán und vor allem Oscar Straus und Leo Fall“*.

Fritzi Massary jenseits der Bühne

1917 heiratete Fritzi ihren Schauspielkollegen Max Pallenberg, der damals als einer der größten Charakterkomiker auf deutschen Bühnen galt. Er adoptierte ihre uneheliche Tochter, sie konvertierte zum Protestantismus. Das Paar lebte während seiner Zeit in Berlin an unterschiedlichen Adressen, beispielsweise in einem Penthouse in der Corneliusstr. 4. Leider findet ihr nirgendwo eine Gedenktafel. Besuchen könnt ihr vor allem deren ehemaliges Luxusdomizil im Grunewald. In dem heutigen Clubhaus des Grunewald Tennis-Club e.V. befindet sich ein Sterne-Restaurant.

Fritzi Massary Berlin Villa
Massary-Pallenberg-Villa im Grunewald

Und wie war der große Star so? Ihre Biografin Carola Stern beschreibt sie folgendermaßen: „… keine übertraf die Massary in der seltenen Kunst, frivole Pointen durch geistreiche Gelassenheit zu adeln, Gewagtheiten als Lebensweisheiten auszugeben, mit losen Zweideutigkeiten gegen bürgerliche Anstandsregeln zu verstoßen und doch immer eine Dame zu bleiben“*.

Sie war außerdem ein sehr begehrtes Werbegesicht. Sie warb für Bahlsenkekse, eine Praline war nach ihr benannt und sogar eine ganze Zigarettenmarke. Die Glimmstängel mit Namen wie „Massary Perle“ oder „Massary Delft“ wurden in bunten Blechschachteln und auch in schicken silbrigen Kästchen mit Porzellaneinlagen verkauft. Produziert hat die Massary-Zigarettenfirma übrigens in Kreuzberg in der Ritterstraße 9/10.

Das Pelikan-Haus und der danebenliegende Ritterhof mit der Hausnummer 11 bilden heute ein überraschend schönes Ensemble inmitten trister Auswüchse aus der Architekturhölle rund um den Kotti.

1932 – das Ende einer großen Karriere

Im September 1932 feierte die Oscar-Straus-Operette „Eine Frau, die weiß, was sie will“ mit Massary in der Titelrolle Premiere. Das Lied „Warum soll eine Frau kein Verhältnis haben“ ist bis heute bekannt und wurde auch von anderen Größen wie Zarah Leander und Tim Fischer gesungen. Doch schon nach wenigen Vorstellungen begannen SA-Schlägertrupps mit „Juden raus“-Rufen die Aufführungen zu stören und das Ensemble einzuschüchtern. Noch vor Hitlers Machtergreifung verließen Massary und Pallenberg Deutschland Richtung Wien. Nach dem tragischen Tod Pallenbergs bei einem Flugzeugabsturz 1934 versuchte sie einige Jahre später in England ein Comeback, das jedoch nicht so recht gelang. 1939 emigirierte sie in die USA, wo sie sich ganz in ihr Privatleben zurückzog.

Fritzi Massary in Berlin – Spuren

Neben der Lounge in der Komischen Oper wurde in Berlin noch eine kleine Straße in Neukölln nach Fritzi Massary benannt. Es wundert mich aber schon, dass es ansonsten keinerlei Erinnerungen wie Gedenktafeln an sie gibt. Einfach nur traurig, was die Nazis auch im Bereich der Kultur alles verbrochen haben. Mehr dazu findet ihr auch in meinen Beiträgen zu Erich Ohser, Asta Nielsen und Marlene Dietrich.

*Zitate stammen aus: „Carola Stern: Die Sache, die man Liebe nennt. Das Leben der Fritzi Massary“, Rowohlt 2000.

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