Tag des offenen Denkmals in Berlin

Am Tag des offenen Denkmals gibt es in Berlin hunderte kulturelle Angebote, die fast alle kostenlos sind. 2022 stand die Veranstaltung unter dem Motto „Spurensuche. Unterwegs mit der Denkmalpflege“. Meistens streiche ich mir im Programmheft dutzende Sachen an und mache am Ende eine. Dieses Jahr hab ich aber tatsächlich mal mehr geschafft …

1. Station – ein Reinfall

Als erstes fuhr ich am Samstag zum Straußberger Platz. Dort sollte die Panoramabar im Haus Berlin geöffnet sein und ich freute mich auf Fotos der Karl-Marx-Allee von oben. Als ich da ankam fand ich allerdings nur ein Zettelchen an der Tür, dass die Location doch nicht teilnimmt. Sch … önen Dank! An manchen Tagen hätte ich jetzt echt miese Laune gehabt, aber ich war ganz happy mit den Bildern, die ich unten geschossen hab. Vom Haus Berlin und vor allem von dem gegenüberliegenden Haus des Kindes.

Schloss Hohenschönhausen

Direkt an der Tramhaltestelle Alt-Hohenschönhausen steht ein Schloss. Allerdings ist das ein ziemlicher Euphemismus. Tatsächlich handelt es sich um ein recht schmuckloses Gutshaus, das gerade saniert wird und von außen relativ wenig hermacht. Nur der filigran verzierte Balkon lässt schon erahnen, dass das vielleicht mal hübsch werden könnte.

Tag des offenen Denkmals Berlin: Schloss Hohenschönhausen
Schloss Hohenschönhausen

Da fragte ich mich direkt, ob das jetzt wohl die Fahrt wert war? Drinnen war es dann aber doch sehr spannend. Die Ursprünge des Gebäudes gehen auf das Jahr 1690 zurück, es wurde aber häufig umgebaut. Netterweise hat man dabei aus der Mode gekommene Elemente wie den Stuck nicht entfernt, sondern einfach überbaut und übermalt. In Berlin war ja leider lange Zeit auch die Entstuckung üblich, bei der die aufwendige Deko von Gründerzeitenbauten einfach abgeschlagen wurde. Hier kommt das jetzt aber nach und nach wieder zum Vorschein. Bestimmt ein Traum für Restaurator*innen!

In ein paar Jahren soll hier ein Ort für gemeinwohlorientierte und kulturelle Veranstaltungen entstehen. So könnte das dann aussehen:

Tag des offenen Denkmals Berlin: Schloss Hohenschönhausen
Modell des Gutshauses

Jüdisches Kinderheim

Mein erster Stopp am Sonntag war das ehemalige Jüdische Kinderheim im Prenzlauer Berg – nicht zu verwechseln mit dem deutlich größeren Jüdischen Waisenhaus in Pankow. In dem 1864 erbauten Haus in der Fehrbelliner Straße 92 ist heute ein Stadtteilzentrum untergebracht, das mit einer Fotoausstellung an die Zeit des Gebäudes zwischen 1910 und 1942 erinnert.

Tag des offenen Denkmals Berlin: jüdisches Kinderheim
Fotografie mit Namen der deportierten Kinder

Zunächst nur als Kindergarten und Hort genutzt, waren vor allem in den 1930er Jahren immer mehr Kinder dauerhaft in dem Haus untergebracht. Sechs davon konnten durch die Kindertransporte nach England gerettet werden. Als das Heim 1942 zwangsgeschlossen wurde, wurden 51 Kinder und ihre Erzieherinnen nach Auschwitz deportiert – nur zwei haben überlebt.

Die Fotos der Ausstellung stammen aus den Jahren 1934 bis 1936 und wurden von dem jüdischen Fotografen Abraham Pisarek angefertigt. An manchen Stellen findet ihr sogenannte Blickpunkte, die zeigen, wo der Fotograf bei der Aufnahme gestanden hat. Pisarek wurde 1933 mit einem Berufsverbot belegt und konnte danach nur noch für jüdische Zeitungen und Einrichtungen arbeiten. Einige seiner Bilder habe ich auch schon in der Neuen Synagoge in der Oranienburger Straße gesehen. Er gehörte übrigens zu den Inhaftierten in der Rosenstraße und überlebte dank der mutigen Frauenproteste 1943.

Ich glaube nicht, dass es irgendjemanden gibt, der den Ort ohne dicken Kloß im Hals verlässt. Wirklich schwere Kost.

Herz-Jesu-Kirche

Nur ein paar Schritte weiter hatte die katholische Herz-Jesu-Kirche geöffnet. Von außen gehört das 1898 geweihte Gotteshaus nicht unbedingt zu den beeindruckenden in der Hauptstadt, innen fand ich es aber doch sehenswert. Der leichte Weihrauchgeruch, der noch von der Messe in der Luft hing, erinnerte mich an früher. Unglaublich, aber wahr: ich war mal Ministrantin.

Tag des offenen Denkmals Berlin: Herz-Jesu-Kirche
Herz-Jesu-Kirche Prenzlauer Berg

Der Stil ist wohl niedersächsisch-romanisch und frühchristlich-byzantinisch, falls euch das was sagt. Ich finde ja, dass man nicht gläubig sein muss, um in Kirchen einen ehrfürchtigen Schauer zu verspüren. Mir geht’s jedenfalls so.

LITFASS GOES URBAN ART

Mein letzter Halt war am Kollwitzplatz. Dort stehen zwei historische Litfaßsäulen – wie ihr vielleicht wisst, die Erfindung eines Berliners. Ernst Theodor Amandus Litfaß erfand die sogenannte Annoncier-Säule in den 1850er-Jahren. Die erste wurde 1855 in der Münzstraße aufgestellt. Heute gibt es in Berlin stolze 2.500 dieser meist nicht sehr hübschen Werbeflächen. 24 davon stehen inzwischen unter Denkmalschutz. Diese statt mit Reklame mit Kunst zu beklebt, ist das Anliegen des Projektes LITFASS GOES URBAN ART, das 2019 von Michael Wismar ins Leben gerufen wurde.

Michael Wismar

Der war zur Feier des Tages auch anwesend und wurde zu einer kleinen Rede genötigt. Unser lieber Kultursenator Klaus Lederer ist wohl – Überraschung! – für das Projekt.

Eine der beiden Säulen wurde von dem Comiczeichner und Grafiker Henning Wagenbreth gestaltet, der außerdem als Professur an der Universität der Künste unterrichtet.

An der zweiten Säule stand der Künstler Roland Barth für Gespräche bereit, der aus dem Bereich Siebdruck kommt und im Supalife Kiosk ausstellt. Die Galerie versteht sich als Plattform für die urbane Kunst- und Siebdruckszene in Berlin. Ohne große Kunstliebhaberin zu sein, finde ich das Projekt super. Ist doch viel besser als olle Werbung. Am Ende ist vermutlich wie so oft im kulturellen Bereich die Frage, wo die Gelder dafür herkommen könnten. Für den Tag des offenen Denkmals hat Michael Wismar die historischen Säulen einfach angemietet.

Als ich vom Kollwitzplatz zum Alex schlenderte, fiel mir dann tatsächlich noch das bisher nie beachtete Litfaßdenkmal in der Münzstraße auf – an der Stelle der ersten Litfaßsäule. Der Litfaß-Platz hinter dem S-Bahnhof Hackescher Markt ist übrigens alles andere als sehenswert.

Litfaßdenkmal Münzstraße

Fazit Tag des offenen Denkmals

Ich hab dieses Jahr sicher nicht die ganzen großen Highlights mitgenommen, aber trotzdem viel erlebt. Für viele der wirklich begehrten Events ist vorab eine Anmeldung nötig und ich wollte mich nicht festlegen (eventuell war ich auch nur zu lahm). Vielleicht nächstes Jahr, dann findet der Tag des offenen Denkmals am 9. und 10. September statt. Und definitiv werde ich dann alles online auschecken!

Schaut doch auch noch in meinen Text vom letzten Jahr als ich die Schneider Brauerei besucht habe. Wann und wo ihr in Berlin sonst noch Kultur für lau erleben könnt, habe ich auch schon zusammengetragen.

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