Deutsche Kinemathek im E-Werk: Film lebt hier … nicht!
Ich war wirklich gerne in der Kinemathek am Potsdamer Platz und hatte der Interimsausstellung am neuen Standort schon gespannt entgegengefiebert. Ich war echt traurig, dass ich am Eröffnungswochenende im Januar keine Zeit hatte, Werbung wurde ohne Ende gemacht und man konnte kaum nicht mitbekommen, dass es endlich soweit war. Leider hat die multimediale Installation „Screentime“ rein gar nichts mit dem bisherigen Museum zu tun.

Wollt ihr wirklich rein?
Obwohl die neuesten Google-Rezensionen fast alle komplett vernichtend waren, wollten meine Freundin und ich uns das ansehen. Um mitreden zu können, uns ein eigenes Bild zu machen und weil wir als Nicht-Clubberinnen auch noch nie im historischen E-Werk waren.

Es war ziemlich einsam, außer uns stand niemand am Eingang. Der Herr an der Kasse fragte uns, ob wir denn wüssten, dass das hier eine Installation ist und keine Ausstellung? Wir bejahten, trotzdem wollte er sicher gehen: Und Sie wollen trotzdem rein? Ja … scheint wohl schon unzählige Beschwerden gegeben zu haben, wenn man vor dem Besuch gefragt wird, ob man sich das denn wirklich ansehen möchte. Aber ehrlich gesagt, ich hab es verstanden, als ich in der Halle stand.

Ist zwar optisch vielleicht ein netter moderner Hingucker, aber nicht das, was man sehen möchte, wenn man in ein Museum für Film und Fernsehen geht. Was macht man hier also? Man setzt sich auf einen der bunten Sessel und kann sich eine Zusammenstellung aus Filmschnipseln ansehen, die auf Vorhänge projiziert werden.

Ich erkannte immerhin einige der alten Ausschnitte wie aus Fritzs Langs „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ (1931), meine Freundin nicht und sie bemängelte, dass es keine Unterschriften gab. Wer also wissen möchte, was er da gerade gesehen hat, muss im Begleitheft blättern. Mein Lieblingsschnipsel: Asta Nielsen!


Ansonsten gab es noch zwei Fernsehboxen. Leider haben die bei unserem Besuch nicht funktioniert. Wir fragten nach und es kam auch direkt jemand, um sich darum zu kümmern, aber während unserem Aufenthalt konnte das Problem nicht behoben werden. Nicht, dass ich denke, dass wir viel verpasst haben, aber bei so wenig Angebot natürlich schon peinlich!

Mini-Ausstellung
Ein gaaanz kleines Trostpflaster gibt es für alle, die gerne Exponate aus der Filmgeschichte gesehen hätten: an einer Wand sind ein paar Leuchtbuchstaben aus Filmen, drei Kostüme und ein paar Starpostkarten zu sehen.



Auch hier: durchaus hübsch anzusehen, aber kein Vergleich mit der alten Ausstellung, in der ihr den Oscar von Emil Jannings und unzählige Kostüme von Marlene Dietrich bewundern konntet. Ansonsten gibt es tatsächlich nur noch das Studiokino, in dem Filme laufen, die vermutlich eher wenige Menschen vom Hocker hauen.

Deutsche Kinemathek im E-Werk – Fazit
Am meisten Spaß hatten wir dort beim Lesen des Gästebuches. Die allermeisten waren nicht sehr glücklich darüber, dass sie hier waren und vor allem nicht über 10 Euro Eintritt. Ich fühl’s! „Schöne Sofa- und Gardinenausstellung“ war mein Lieblingseintrag!


Tja, was soll ich sagen: Nun hab ich es einmal gesehen, nochmal werde ich definitiv nicht hingehen, solange die Deutsche Kinemathek nicht als richtige Ausstellung wiedereröffnet, was frühestens in 10 Jahren sein wird. Falls ihr unentschlossen seid, dann geht einfach donnerstags ab 14 Uhr, dann ist zumindest der Eintritt frei. Adresse, Öffnungszeiten und weitere Infos findet ihr auf deren Webseite.


