Kultur & Geschichte

Museum Treptow: Allein mit Melli

Ich hab das riesen Glück, dass ich eine Freundin habe, die freitags mit mir Orte abklappert, die oft wenig spektakulär klingen und die man alleine nie besucht. Kürzlich war das Museum Treptow unser Ziel. Das stand schon länger auf meiner Liste, ich hatte allerdings keinerlei Erwartungen – verlassen habe ich die Ausstellung dann ziemlich happy.

Museum Treptow
Museum Treptow von Außen

Einmal aufschließen, bitte!

Nicht, dass ihr jetzt denkt, dieses schöne Gebäude im Stil der Neorenaissance wäre das Museum! Bei dem Bau aus dem Jahr 1906 handelt es sich um das ehemalige Rathaus Johannisthal und das Museum nimmt davon nur ein paar Räume im zweiten Stock ein. Zwar gibt es Öffnungszeiten, wer rein möchte, muss sich allerdings im Erdgeschoss in einem Büro melden – das Museum wird dann für einen aufgeschlossen. Das fanden wir ganz witzig, allerdings lässt das auf eher wenig Besucher*innen schließen und das ist ziemlich schade, denn es gibt einiges zu entdecken. Ein Teil der Ausstellung zeigt Treptow als historisches Ausflugsziel.

Museum Treptow
Ausflugsziel Treptow

Besonders süß fand ich ja die Spur aus alten Postkarten von Treptow. Zugegeben, vermutlich lässt das nicht jedes Herz höher schlagen, aber ich sammle die ja inzwischen. Wer auch ein Fan werden möchte, sollte meinen Blogbeitrag „Grüße aus Berlin: Postkarten im Kaiserreich“ lesen!

Melli Beese: Deutschlands erste Pilotin

Ein großer Teil der Dauerausstellung widmet sich einer Frau und auch das freut mich persönlich immer besonders. Melli Beese (1886 – 1925) war eine Pionierin der Luftfahrt und ging für nicht weniger als die erste deutsche Pilotin in die Geschichte ein. Sie gründete sogar eine Flugschule in Johannisthal. Der dortige ehemalige Flugplatz ist ein weiterer Schwerpunkt der Ausstellung.

Museum Treptow
Melli Beese im Museum Treptow

Ambitionierten Frauen hat man damals möglichst viele Steine in den Weg gelegt. Auch Melli Beese blieb davor nicht verschont. Ein sabotierter Benzintank ist da nur einer unter vielen. Aber auch ihre Ehe mit dem Franzosen Charles Boutard wurde ihr im Ersten Weltkrieg zum Verhängnis und sie wurde zur Staatsfeindin erklärt. Nach dem Krieg konnte sie nur schwer wieder Fuß fassen und auch ihre Ehe zerbrach – sie beging im Alter von nur 39 Jahren Suizid. Ihre Ruhestätte auf dem Friedhof Schmargendorf ist seit 1975 ein Berliner Ehrengrab.

Berliner Gewerbeausstellung 1896

Wie könnte es anders sein: Auch die berühmte Berliner Gewerbeausstellung von 1896 ist Thema im Museum Treptow, denn die fand ja bekanntlich im Treptower Park statt. Anhand eines Modells könnt ihr sehen, welche Gebäude eigens dafür errichtet wurden. Heute steht nur noch ein einziges davon: die Archenholdt-Sternwarte.

Museum Treptow
Modell der Gewerbeausstellung

Zu sehen gibt es von diesem damaligen Großereignis außerdem Fotos, Plakate, Ausstellerkarten, Postkarten und Souvenirs. Für Geschichts- und Berlinfans auf jeden Fall eine tolle Fundgrube.

Sonderausstellung: „Zurückgeschaut“

Zur Wahrheit über die Gewerbeausstellung von 1896 gehört leider auch, dass es eine sogenannte Völkerschau gab. 106 Menschen wurden hierfür aus den deutschen Kolonien nach Berlin gebracht und zur Schau gestellt, um Kolonialfantasien und rassistische Stereotype zu bedienen. Den meisten Teilnehmenden war dies vorher nicht bewusst. Nicht wenige wehrten sich und verweigerten Fotografien. Der Kameruner Kwelle Ndumbe hielt den Berlinerinnen und Berlinern einen Spiegel vor, kaufte ein Opernglas und starrte einfach auf das Publikum zurück.

Im Fokus der Ausstellung stehen die Biografien der nach Berlin gebrachten Frauen, Männer und Kinder, aber auch ihr Widerstand und die Nachwirkungen dieser „Ersten Deutschen Kolonialausstellung“.

Museum Treptow – Fazit

Wir haben insgesamt etwa eine Stunde in dem Museum verbracht. Beim Verlassen sollten wir wieder Bescheid geben, damit die Räume abgeschlossen werden konnten. Vielleicht passten die Themen einfach zufällig besonders gut zu meinen Interessen, aber ich kann einen Besuch echt empfehlen, denn wir waren beide positiv überrascht! Ich fand einfach alles daran gut. Die Postkarten, die Erinnerung an eine Pionierin, die Infos zur Gewerbeausstellung und natürlich, dass man sich mit den Menschen auseinandergesetzt hat, die damals so würdelos präsentiert wurden. Der Eintritt ist frei, die aktuellen Öffnungszeiten findet ihr beim Museumsportal Berlin.

Wenn euch die Anfahrt für ein so kleines Museum zu weit ist, dann könntet ihr wie wir danach noch einen Abstecher zum nahen Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit machen. Auch hier ist der Eintritt kostenlos.

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.