Stolperschwellen in Berlin: Gegen das Vergessen
Stolpersteine begegnen einem in Berlin täglich. Sie erinnern an das Schicksal einzelner Personen, die von den Nazis verfolgt, vertrieben oder ermordet wurden. Neuer und auch noch selten sind die Stolperschwellen in Berlin. Ich hatte bisher nichts davon gehört und habe durch Zufall eine in Siemensstadt entdeckt. Eigentlich bin ich schon mehrmals an ihr vorbeigelaufen, aufgefallen ist sie mir nur, weil am 8. Mai jemand Blumen und einen Stein dort hingelegt hat.

Was ist eine Stolperschwelle?
Optisch erinnern die Stolperschwellen an Stolpersteine, von denen es allein in Berlin inzwischen rund 11.000 gibt. Sie sind allerdings deutlich breiter und gedenken nicht einer einzelnen Person, sondern erinnern an eine Gruppe Menschen bzw. an Ereignisse an einem Ort. Europaweit sollen es inzwischen über 50 sein, in Berlin wurden bisher 8 Stück verlegt.
Stolperschwelle Siemensstadt
In den Jahren 1940 bis 1945 waren rund 40 Frauen gezwungen, eingepfercht auf 240 Quadratmetern im Gemeindesaal der Evangelischen Kirchengemeinde Siemensstadt zu leben, während sie für die Firma Siemens & Halske Zwangsarbeit leisten mussten. Sie stammten aus Belgien, Dänemark, Kroatien, den Niederlanden und der Sowjetunion (Ukraine).



Obwohl die Stolperschwelle erst am 10. März 2025 verlegt wurde, ist sie inzwischen schon völlig zerkratzt. Bei der Menge an Kratzern frage ich mich, ob das absichtlich geschehen ist? Übrigens gibt es für die Zwangsarbeitenden der Firma Siemens auch eine Gedenktafel, diese befindet sich allerdings innerhalb des Verwaltungsgebäudes an der Nonnendammallee und ist darum nicht öffentlich einsehbar. Das ist mit der Grund, warum sich die Gemeinde für eine Erinnerung an die Menschen des „Mädchen-Gemeinschaftslagers“ auf ihrem Gelände am Schuckertdamm entschlossen hat.

Stolperschwelle Julius-Leber-Kaserne
Ziemlich genau ein Jahr früher (5. März 2024) wurde die Stolperschwelle an der Julius-Leber-Kaserne in Reinickendorf eingeweiht. Das Gelände ist riesig, falls ihr hinwollt, dann am besten über die gleichnamige Bushaltestelle, von wo ihr ein Eingangstor sehen könnt.

Im Internet hatte ich gelesen, dass die Stolperschwelle „vor dem öffentlichen Informations- und Gedenkort der Julius-Leber-Kaserne in Berlin enthüllt“ wurde. Als ich darauf zulief schien es mir dann aber nicht so, als sei der Ort öffentlich. Zumindest warnten mich ein Schild und eine blaue Linie vor dem Betreten.

Da die Stolperschwelle aber von da bereits sichtbar war, bin ich dann ganz verwegen noch ein paar Schritte weiter gegangen. Hier wurde ja auch nur eine Verfolgung von Zuwiderhandlung angedroht. Wer schon mal an der Mauer um die Kaserne gelaufen ist weiß, dass dort alle paar Meter vor Schusswaffengebrauch gewarnt wird. in dem Fall hätte ich vermutlich auf dem Absatz kehrt gemacht.

Leider ist auch die Stolperschwelle schon völlig mit Kratzern überzogen und nur von Nahem lesbar. Der Text lautet: „In einer KFZ-Kasernenhalle befand sich vom 27. Februar bis 6. März 1943 eines der provisorischen Sammellager der sogenannten ‚Fabrikaktion‘. Eingerichtet von der Gestapo. In Gedenken an die Jüdinnen und Juden, die von hier aus nach Auschwitz deportiert und dort ermordet wurden.“

Falls ihr mehr über die damaligen Ereignisse wissen wollt, dann lest auch meinen Blog „Rosenstraße Berlin: Frauenproteste von 1943“ – diese stehen ebenfalls mit der sogenannten Fabrikaktion in Verbindung. Außerdem könnt ihr, wenn ihr die Linie ohnehin schon übertreten habt, auch noch zur Geschichtsstele gehen, wo ihr Infos über die Kaserne und ihren Namensgeber Julius Leber bekommt. Dieser stand Stauffenberg nahe und wurde am 5. Januar 1945 in Berlin-Plötzensee von den Nazis ermordet.

Weitere Stolperschwellen in Berlin
Am 17. Februar 2023 wurde in Zehlendorf an der Hermannstraße 11 eine Stolperschwelle verlegt, die an das Schicksal der Kinder des 1942 aufgelösten Jüdischen Kinderheims Kapellner erinnert. Viele von ihnen wurden deportiert und ermordet.
Eine weitere Stolperschwelle findet ihr seit Oktober 2023 an der Kastanienallee 22 im Prenzlauer Berg. Die Messiaskapelle war ein wichtiger Tauf- und Zufluchtsort von Christinnen und Christen jüdischer Herkunft. Sie wurde bei den Novemberprogromen 1938 verwüstet und 1941 von den Nazis geschlossen. Viele der hier Getauften wurden deportiert und ermordet.
Von den vier weiteren Stolperschwellen, die es in Berlin geben soll, weiß ich leider nicht, wo sie sich befinden. Vielleicht kennt ihr ja eine oder mehrere davon? Dann hinterlasst bitte einen Kommentar oder schickt gerne auch ein Foto.


