Theater Verlängertes Wohnzimmer: „Tapas“

Schwierige Coronawinter-Zeiten sind ein guter Anlass, um auch mal kleine Off-Bühnen zu besuchen. Statt immer wieder inszenierte Klassiker, gibt es hier aus dem Leben gegriffene Stücke. So wie „Tapas“ über drei ungleiche Schwestern, das am 13. Januar im Friedrichshainer Theater Verlängertes Wohnzimmer seine Premiere feierte.

Eingang Frankfurter Allee

Lebensentwürfe und Konflikte

Die Protagonistinnen Rebecca, Sarah und Lisa kamen wahrscheinlich jedem im Publikum direkt vertraut vor. Die Karrierefrau, deren Blick ständig an ihrem Diensthandy hängt, die Bodenständige, Vernünftige, die immer versucht Verständnis zu haben und zu vermitteln, und das Nesthäkchen, das voller verrückter Ideen steckt. Mitglied einer Ukuleleband, Floristin oder Yogalehrerin – sie ist immer mit Herzblut dabei, verschenkt selbstgebastelte Kalender zum Geburtstag und jodelnde Dillgurken beim Schrottwichteln.

Ein Lebensstil wird belächelt, der andere kritisiert und wo es nichts zu beanstanden gibt, wird das vermeintlich Normale zum Angriffspunkt. Bei jedem Treffen wird aus der ersten Wiedersehensfreude schnell der nächste Streit. Doch die Konflikte reichen in Wahrheit viel tiefer. Es geht längst nicht nur um unterschiedliche Selbstverwirklichungskonzepte, sondern vor allem um unausgesprochene Erwartungshaltungen und Vorwürfe, die irgendwann auf den Tisch kommen.

Theater Verlängertes Wohnzimmer
Premiere im Theater Verlängertes Wohnzimmer

Die Theaterrebellen

Hinter der Inszenierung steht das mobile Generationstheater „Theaterrebellen“, das 2018 von Romana Schneider gegründet wurde und sich zunächst auf Theaterstücke und Workshops für Kinder fokussierte. 2020 kam Svenja Otto als Co-Leiterin und Schauspielerin dazu. Gemeinsam nutzen die beiden die Coronapausen, um an neuen Formaten zu arbeiten. Mit einer Förderung durch die DTHG im Rahmen von „Neustart Kultur“ entwickelten sie in dieser Zeit ihr erstes Jugend- und auch ihr erstes Erwachsenenstück. Für „Tapas“ holten sie sich noch die Schauspielerin Liane Steinnagel an Bord.

Theaterrebellen

Vieles ist aus dem wahren Leben der drei gegriffen. Laut Romana bräuchte man sich für Inspiration aber auch einfach nur mal in ein Café im Prenzlauer Berg setzen und den anderen Gästen zuhören. Mit ihrer Premiere waren die Schauspielerinnen übrigens vollauf zufrieden. Kein Wunder – beim Publikum kam das Stück super an.

Geschafft!

Premierenfeier für alle!

Das Theater Verlängertes Wohnzimmer hat nur 60 Sitzplätze und von überall sind die Zuschauer*innen quasi mitten im Geschehen. So eine intime Veranstaltung hat aber noch einen Vorteil – alle waren herzlich zur Premierenfeier eingeladen. Ich glaube, es sind auch tatsächlich fast alle noch zu einem Umtrunk geblieben. Es gab ordentlich Sekt und – na klar – Tapas! Spätestens da war klar, wie das Theater zu seinem Namen kam, denn in die Sofas im Vorraum kann man herrlich versinken und eigentlich will man dann auch gar nicht mehr aufstehen. Während Romana privat nicht wiederzuerkennen war, erzählte Liane, dass sie tatsächlich gerne verrückte Geschenke macht. Sie schien auch sonst einiges mit ihrer Rolle gemeinsam zu haben …

Theater Verlängertes Wohnzimmer
Kulturort Friedrichshainstyle

„Tapas“ im Theater Verlängertes Wohnzimmer? Unbedingt

Ich hatte einen wirklich schönen Abend und kann euch das Stück nur ans Herz legen. Die nächsten Aufführungen finden am 16. und 17. Juli auf der Freilichtbühne Weißensee statt. Tickets bekommt ihr hier. Ab jetzt werde ich auf jeden Fall öfter mal kleine Off-Bühnen in Berlin besuchen! Das hat definitiv seinen ganz eigenen Charme – vor allem im etwas ranzigen Friedrichshainstyle.

Mehr über Frauen im Kulturbetrieb könnt ihr in meinem Artikel zum Filmfest FrauenWelten lesen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.