Marlene von Katj Wiedemann
Lifestyle

BerlinDecor: Zum Plausch bei Katja Wiedemann

Links und rechts der Neuen Synagoge in der Oranienburger Straße in Mitte befinden sich mit den Heckmannhöfen und dem Kunsthof Berlin zwei lauschige Großstadtoasen mit Cafés und Ateliers. In letzterer könnt ihr der Künstlerin Katja Wiedemann bei der Arbeit über die Schulter sehen, die hier ihren Laden BerlinDecor betreibt. Kürzlich habe ich sie auf einen Tee und ein bisschen Geplauder dort getroffen.

Durchgang zum Kunsthof Berlin

Café Berlin

Beim Betreten des Hinterhofes fällt der Laden sofort ins Auge. Die kräftigen Farben der Bilder, die davor stehen oder im Wind flattern, heben sich kontrastreich von den braunen Hauswänden ab. Vor allem die Serie Café Berlin hat es mir mit ihrer Kombination aus Petrol, Lila, Rot und Pink angetan – ebenso wie die Goldenen Zwanziger. Allerdings hat das eine tatsächlich gar nichts mit dem anderen zu tun, wie ich gleich erfahre.

Ich sei aber nicht die einzige, die ihre Bilderserie damit verbindet. Sie selbst habe gar kein Faible für die Zwanziger Jahre, aber sie sei ja nur die Künstlerin. Sie lege mit ihrer Arbeit lediglich den Grundstein für die Fantasie der anderen. Die Motive stammen zwar aus Kneipen, Bars und Bühnen – nur eben selbst beobachtet in den letzten 15 Jahren. Dass inzwischen auch Marlene Dietrich oder Josephine Baker auf einigen Werken der Serie zu finden sind, sei Auftragsarbeiten geschuldet.

Katja Wiedemann

Eine Besonderheit ihres Ladens ist, dass ihre Kundschaft auch hinten ins Atelier darf. Dort sieht es exakt so aus, wie ich mir einen Raum vorstelle, in dem Gemälde entstehen: Staffeleien mit angefangenen Bildern, Chaos, unzählige Pinsel und Farben … obwohl Katja mir verrät, dass sie immer weniger Farben verwendet, je älter sie wird.

Katjas Maltisch

Spannende Ausbildung

Neben den Café-Berlin-Bildern hat Katja noch einen anderen Schwerpunkt: die botanische Malerei. Allerdings würden sich Leute, die in ihren Laden kommen, immer entweder für das eine oder das andere interessieren. Gelernt hat sie die Kunst noch wie vor 300 Jahren bei der Porzellan-Manufaktur Meissen. Zu der hat sie zwar ein gespaltenes Verhältnis, über ihre Ausbildung dort ist sie aber dennoch sehr froh. Während Corona konnte sie sich einen lange gehegten Wunsch erfüllen und ein Lehrbuch darüber schreiben. Inzwischen ist sogar noch ein geschichtlicher Überblick dazugekommen. Beide Bücher sind noch nicht erschienen, aber auf ihrer Webseite bekommt ihr einen Vorgeschmack.

Während Corona ist außerdem ein weiteres Bild entstanden. Das sieht zwar nach einem fröhlichen Maskenball aus, tatsächlich trägt eine der Frauen aber eine Pestmaske.

Coronabild von Katja Wiedemann

Berliner Mumpitz

Mit Berliner Mumpitz hat meine Begeisterung für Katjas Bilder angefangen. Ich lief über den Hackeschen Markt und war schon von Weitem total gefesselt von einem Stand, der mich an einen alten Zirkus erinnerte und auf dem bunte Flaschen standen. Eigentlich wollte ich gar nichts kaufen, aber mein Freund erkannte sofort, dass ich innerlich mit mir kämpfte: „Na los, geh hin. Ich weiß doch, dass du so eine Flasche haben musst!“

Mumpitzflaschen von Katja Wiedemann
Berliner Mumpitz bei BerlinDecor

Was in den Flaschen war, war für mich in dem Moment zweitrangig, aber es ist schon auch sehr lecker. Ein Smoothie-Likör in Geschmacksrichtungen wie Pfefferminz & Salbei, Mango & Ingwer oder Rhabarber & Kardamom. Die Kombinationen wurden passend zu den Persönlichkeiten ausgewählt, die Katja für die Flaschen gemalt hat. Alle sollen das Frivole der Zwanziger Jahre verkörpern. Auch hier: eine Auftragsarbeit. Katja konnte allerdings die Auswahl der Personen beeinflussen, die ihr zunächst zu schauspielerinnenlastig war. Herausgekommen ist eine wirklich spannende Mischung, die neben dem Sexualwissenschaftler Magnus Hirschfeld auch die Diseuse Margo Lion oder den Boxer Franz Diener umfasst. Obwohl Pfirsich & Hopfen nicht so wirklich meins war, hab ich mich dafür entschieden. Ging nicht anders, ich musste unbedingt die rothaarige Anita Berber haben. Im Laden von Katja hängen übrigens auch die passenden Bilder.

Alle mein: Mumpitz-Minis

Katja Wiedemann im Stadtbild

Wer mit offenen Augen durch die Stadt läuft, kann hin und wieder Werke der Künstlerin entdecken. Beispielsweise direkt am Bahnhof Friedrichstraße, wo sich eine Filiale von Witty’s Bio Currywurst befindet. In deren Logo ist Katjas Stil unverkennbar.

In riesig könnt ihr das auch am BER im Food Court bewundern. Dort war ich bisher allerdings selbst noch nie. Vom 21.11. bis 31.12. steht Katja übrigens auf dem Weihnachtsmarkt am Bebelplatz (wegen Bauarbeiten vom Gendarmenmarkt dorthin verlegt), wo ihr an ihrem Stand außergewöhnliche Geschenke shoppen könnt.

Fun Fact: Der Berliner Fernsehturm ist auf so vielen ihrer Arbeiten zu sehen, weil ihr Vater für dessen Statik verantwortlich war.

(Keine Kooperation mit Mumpitz oder Witty’s – die Erwähnungen gehören einfach zur Vorstellung von Katja und ihrer Arbeit)

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