Kultur & Geschichte,  Spaziergänge

Die Meierei auf der Pfaueninsel

Ich war die letzten Jahre immer wieder mal auf dem idyllischen Eiland, aber leider nie in einem der Gebäude. Nun hatte die SPSG zum Internationalen Museumstag am 17. Mai eine Sonderöffnung der Meierei auf der Pfaueninsel angekündigt und das wollten meine Freundin und ich uns nicht entgehen lassen. Das Wetter war super, die Fähre voll und ich sah vor meinem geistigen Auge schon eine riesige Schlange vor der hübschen Architektur stehen … von Weitem war davon allerdings nichts zu sehen.

Romantisches Landleben

Geschichte der Meierei auf der Pfaueninsel

Ende des 18. Jahrhunderts war es im europäischen Adel schick, sich Schmuckbauernhöfe zu errichten und sich ein Stück einer sehr romantischen Vorstellung des einfachen Landlebens nach Hause zu holen. Auf der Pfaueninsel schufen sich Friedrich Wilhelm II. und dessen Geliebte Gräfin Lichtenau ein bäuerliches Kleinod – zeitgleich mit dem Schloss im Jahr 1794/1795. Wobei bäuerlich hier wirklich in Anführungsstrichen zu verstehen ist, denn die Meierei wurde im Stil einer verfallenen Klosterruine errichtet.

Meierei auf der Pfaueninsel.

Wie ihr seht hatten sich nur wenige der Besucherinnen und Besucher auf den Weg zur Meierei gemacht und die befürchtete Schlange einmal um die halbe Insel war ausgeblieben. Puuuuh. Gegen 3 Euro Eintritt konnten wir ohne Wartezeit direkt rein.

Die Meierei – Erdgeschoss

Unten ist weder die Ausstellung noch das Gebäude selbst spektakulär, aber es gibt einige Originale zu sehen. Beispielsweise sind noch Butterformen aus dem frühen 19. Jahrhundert in gotisch dekorierten Eckschränken von 1796 ausgestellt. Mit diesen konnten Butterstücke mit sitzendem oder radschlagendem Pfau hergestellt werden.

Alte Butterformen

Außerdem ist noch das Butterfass zu sehen, in dem die Gräfin Lichtenau selbst Butter geschlagen hat. Gemolken wurde übrigens auch selbst, die Kühe waren ebenfalls im Gebäude in einem Stall untergebracht. Ihr erfahrt außerdem einiges über die Freizeitgestaltung auf der Insel und ein Raum befasst sich mit dem Alchemisten Kunckel, der auf der Pfaueninsel Glasperlen, Kristall- und Rubinglas herstellte. Mit dem Gold ist es aber nichts geworden.

Die Meierei – Obergeschoss

Gerade als wir nach oben gehen wollten, verirrte sich eine Schwalbe in das Klosterruinenbauernhaus. Der Vogel sorgte für helle Aufregung, flog er doch einfach nach oben direkt in den schmucken Gotischen Saal. „Kennt sich jemand aus mit Vögeln?“ rief eine Mitarbeiterin leicht verzweifelt. „Sag jetzt nichts, du bist erwachsen“ ermahnte mich meine innere Stimme und ich hielt mich zurück (ok, meiner Freundin Sabine hab ich natürlich was zugeflüstert). Da wir erstmal also nicht in den repräsentativen Raum konnten, warfen wir zuerst einen Blick in die tatsächlich ebenfalls original erhaltene Toilette mit gemütlichem Sitzpolster, das so vermutlich in keinem einzigen Bauernhaus zu finden war.

Toilette in der Meierei auf der Pfaueninsel.
Die original Toilette der Meierei

Von dem kleinen Raum, wo einst Butterbrote für die Herrschaften geschmiert wurden, könnt ich durch ein Guckloch zum Luisentempel blicken. Oder ihr könnt ihn erahnen und später noch hinspazieren. Süße Idee auf jeden Fall.

Blickachse zum Luisentempel

Irgendwann hatte die Schwalbe ihren Weg nach draußen gefunden und wir durften in den Gotischen Saal. Ein wirklich schöner Raum mit Blick aufs Wasser, in dem definitiv nicht das bescheidene Landleben zelebriert wurde. Der Hingucker wurde von einem italienischen Künstler in dreidimensionaler Perspektivmalerei gestaltet.

Mit der Meierei im Rücken könnt ihr dann entweder rechts rum vorbei an den Ställen, Hühnergehegen und der Schafswiese gehen oder nach links und den Luisentempel besuchen. Wir haben uns für den „bäuerlichen“ Weg entschieden, obwohl die Schafe leider gar nicht zum Grasen da waren.

Sonderöffnung – Fazit

Für mich war der Ausflug ein voller Erfolg. Ich konnte mal wieder etwas von der Berlin-to-do-Liste streichen und der Gotische Saal und die Toilette sind sehenswert. Und natürlich gibt es auch noch viel mehr zu entdecken auf der Insel. Im Moment ist bei den Pfauen Balzzeit und mit etwas Glück seht ihr die Männchen ihr Rad schlagen.

Weißer Pfau schlägt Rad auf der Pfaueninsel in Berlin.
Weißer Pfau auf der Pfaueninsel

Wir haben danach noch an einer Führung durch das Schloss teilgenommen, aber davon berichte ich dann Morgen (oder zumindest demnächst). Die nächste Sonderöffnung der Meierei auf der Pfaueninsel ist am 6. September 2026 von 10 bis 17 Uhr, falls ihr jetzt auch Lust bekommen habt.

Über die Pfaueninsel allgemein habe ich schon einen Artikel bei Home of Travel geschrieben, außerdem habe ich sie in meinem bei Google sehr beliebten Romantik-in-Berlin-Text mit aufgenommen – schaut doch mal rein, falls ihr ein Date plant!

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