Warnschild am Luftschiffhafen Potsdam
Umland

Geheimtipps Potsdam: Das Minsk, Lottenhof und Co. entdecken

Die brandenburgische Landeshauptstadt hat unzählige berühmte Highlights zu bieten und Berliner*innen sollten viel öfter hinfahren. Wer die großen Sehenswürdigkeiten schon alle kennt, der kann anfangen, die Geheimtipps von Potsdam zu besuchen. Hier meine Tipps, wo ihr abseits der Massen unterwegs seid.

Das Minsk

Bis 2019 war nicht klar, ob das Gebäude im Stil der Ostmoderne aus den frühen 70er Jahren abgerissen wird. Dabei ist es eines der wenigen erhaltenen Zeugnisse der DDR-Architektur in Potsdam. Inzwischen erstrahlt es in altem Glanz und wo einst das Restaurant Minsk residierte, ist heute ein Museum für zeitgenössische Kunst untergebracht. Dort könnt ihr derzeit die Ausstellung „I’ve seen the Wall“ zu Louis Armstrongs DDR-Tour 1965 sehen.

Geheimtipps Potsdam – das Minsk
Das Minsk – Louis Armstrong

Falls euch die aktuelle Ausstellung nicht zusagt, könnt ihr auch einfach nur die Architektur bewundern. Vor allem das Treppenhaus ist beeindruckend und tatsächlich viel schöner als auf dem Foto!

Und wenn ihr schon mal dort seid, setzt euch ins Café Hedwig, das mit Keramiken der Künstlerin Hedwig Bollhagen ausgestattet wurde. Die Karte wird teilweise auf das Thema der Ausstellung abgestimmt – ich hatte einen New-Orleans-Cheescake, der wahrscheinlich wie ein Saxophon aussehen sollte.

Geheimtipps Potsdam – das Minsk

Luftschiffhafen

In Potsdam trainieren Profiathlet*innen an einem historischen Ort: dem Luftschiffhafen, wo einst Ferdinand Graf von Zeppelin die weltweit größte Zeppelinhalle bauen ließ, in die zwei Luftschiffe mit einer Länge von über 150 Metern passten. Nach dem Ersten Weltkrieg verbot der Versailler Vertrag den Deutschen sämtliche Luftschiffahrteinrichtungen und das Projekt endete wenige Jahre nach seinem Start. Das alte Tor ist allerdings erhalten.

Geheimtipps Potsdam – Luftschiffhafen
Historisches Tor des Luftschiffhafens

In den Zwanziger Jahren wurde hier stattdessen der „Land- und Wassersportplatz Luftschiffhafen“ eröffnet – ein funktionaler Sportpark. Und so wird das ausgedehnte Gelände auch heute genutzt. Vom alten Sportpark ist allerdings nur noch die Tribüne des Stadions aus dem Jahr 1926 in Betrieb.

Geheimtipps Potsdam – Luftschiffhafen
Tribüne von 1926

Das Gelände ist frei zugänglich und wer sich auskennt, kann hier weltbekannte Athletinnen und Athleten beim Training beobachten. Es gibt außerdem einen Walk of Fame des Sports und besonders schön ist es am Wasser, wo das tollste Straßenschild Potsdams steht.

Geheimtipps Potsdam – Luftschiffhafen
Kanuten-Warnschild

Und wenn ihr schon mal dort seid, dann überquert unbedingt noch die Zeppelinstraße und schlendert durch die Stadtheide. In der Straße stehen bezaubernde Reihenhäuser, die im frühen 20. Jahrhundert im Stil von Schloss Cecilienhof errichtet wurden.

Dampfmaschinenhaus Potsdam

Für mich persönlich ein richtiges Highlight – das Dampfmaschinenhaus, das im Stil einer Moschee entworfen wurde und im Inneren absolut faszinierend ist! Darum habe ich darüber auch schon einen eigenen Artikel geschrieben, den ihr hier findet.

Villa Schöningen

Nur ein paar Schritte von der Glienicker Brücke entfernt, steht die Mitte des 19. Jahrhunderts im italienischen Villenstil errichtete Villa Schöningen. Das Gebäude hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich, in der es unter anderem von der Roten Armee als Soldatenlazarett genutzt wurde. Heute finden dort wechselnde Kunstausstellungen statt.

Geheimtipps Potsdam – Villa Schöningen
Villa Schöningen mit Minervafigur in der Fassade

Militärstädtchen Nr. 7

16 Hektar und rund 100 Gebäude umfasste das Areal, das 40 Jahre lang vom sowjetischen Geheimdienst KGB als westlicher Vorposten genutzt wurde – heute bekannt als Militärstädtchen Nr. 7. Wachtürme, Alarm- und Stacheldraht schirmten das Gebiet vor fremden Blicken ab, weswegen es in der Bevölkerung Potsdams den Beinamen „Verbotene Stadt“ trug. Ein Geschichtspfad mit 14 Stationen, der durch einen Audiowalk ergänzt wird, führt euch unter anderem vorbei an der ehemaligen Wache, der einstigen Deutschlandzentrale der sowjetischen Militärspionageabwehr und dem früheren Zentralen Untersuchungsgefängnis der sowjetischen Militärspionageabwehr – heute die Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße.

Geschichtspfad Militärstädtchen Nr. 7

Lottenhof

Einen wunderbar entspannten, alternativen Ort findet ihr mit dem Lottenhof, wo Nachbarschaftsinitiativen einer maroden alten Ausflugsstätte unweit von Schloss Charlottenhof neues Leben einhauchen. Der offene Begegnungsort bietet beispielsweise Open-Air-Kino, gemeinsames Gärtnern, Hoffeste und ein gemütliches Gartencafé.

Villa Quandt

Das Brandenburgische Literaturbüro und das Theodor-Fontane-Archiv befinden sich in der Villa Quandt auf dem Pfingstberg. Wann sie erbaut wurde, ist nicht ganz klar, wahrscheinlich um 1800. 1833 ging sie in den Besitz von Ulrike Augusta von Quandt über, die dort eine Stiftung betrieb. Später wohnten dort Angehörige der Hohenzollern, bevor das Gebäude 1945 vom KGB übernommen wurde. Heute könnt ihr dort vor allem Lesungen besuchen.

Geheimtipps Potsdam – Villa Quandt
Villa Quandt auf dem Pfingstberg

Kaiserliche Matrosenstation

Schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts befand sich am Jungfernsee eine vom Militär betriebene Ausgangs- und Versorgungsstation für Lustfahrten. Von 1892 bis 1896 ließ Kaiser Wilhelm II. diese dann im norwegischen Drachenstil umbauen – ein ziemlich überraschender Anblick, wenn man zum ersten Mal davor steht. Die Teile für die unterschiedlichen Gebäude wurden in Norwegen vorgefertigt und in Potsdam dann nur noch zusammengebaut. Heute gibt es hier ein Restaurant und ziemlich teure Wohnungen.

Geheimtipps Potsdam – Kaiserliche MAtrosenstation
Kaiserliche Matrosenstation Potsdam

Schloss Marquardt

Etwas ab vom Schuss, aber dafür besonders idyllisch, bietet sich auch Schloss Marquardt im gleichnamigen Ortsteil für etwas Sightseeing abseits der großen Massen an. Der Herrensitz wechselte ziemlich oft seine Besitzer und wurde mehrmals von Theodor Fontane besucht. Den dazugehörigen Landschaftspark gestaltete der berühmte Gartenkünstler Peter Joseph Lenné, er schmiegt sich zwischen Schloss und Schlänitzsee, wo ihr im Sommer auch schön baden könnt. Allerdings solltet ihr unbedingt etwas gegen Mosquitos einpacken!

Geheimtipps Potsdam – Schloss Marquardt

Karl Foerster Haus und Garten

Er war Gartenkünstler, Gartenphilosoph, Visionär, Staudenzüchter, Autor und vieles mehr – der Ehrenbürger Potsdams Karl Foerster ist in der Havelstadt an vielen Orten präsent. Auf seinen Spuren wandeln könnt ihr unter anderem im Ortsteil Bornim, wo sein ehemaliges Wohnhaus liebevoll restauriert wurde. Bei Führungen könnt ihr es besichtigen. Sein Garten ist frei zugänglich. Wollt ihr mehr wissen? Dann lest meinen Blogartikel über das Foerster-Haus.

Wohnhaus und Garten Karl Foerster – Ein Haus der Deutschen Stiftung Denkmalschutz

Geheimtipps in Potsdam – Fazit

In Potsdam gehen die Ziele auch abseits von Sanssouci, Neuem Garten oder Holländischem Viertel eigentlich nie aus. Auch Führungen könnt ihr hier tolle machen. Besonders empfehlen kann ich euch die Verbotene-Stadt-Führung von Berlins Taiga, Führungen über den Telegrafenberg mit Einsteinturm oder Touren von fü(h)rpotsdam. Kennt ihr noch andere Geheimtipps in Potsdam, die einen Besuch wert sind? Dann hinterlasst mir gerne einen Kommentar!

Falls ihr Potsdam mit euren Kids besuchen wollt, dann lest auch meinen Text „Potsdam mit Kindern“ bei familie.de oder schaut in meine Liste der 12 schönsten Sehenswürdigkeiten in Potsdam bei Reisereporter.

One Comment

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.