Spaziergang in Berlin: Vom Kotti zum Holzmarkt
Endlich Frühling! Da kann man die Ausstellungsbesuche am Kulturfreitag doch mal gegen einen schönen Spaziergang durch Berlin tauschen. Wir wollen mit einem Eis starten und treffen uns bei Kuréme, einem gehypten Laden nahe dem Kotti in der Waldemarstraße Ecke Adalbertstraße. Hier gibt es das, was in letzter Zeit fast so schreckgespenstisch wie die Sperrmüllberge durch die Zeitungen geistert: Die Kugel Eis für 3 Euro. Tut weh, klar, aber Mango Sticky Rice ist immerhin eine Sorte, die ich noch nie gegessen habe. Schräg gegenüber setzen wir uns ins Walde-EckMarli R. (was ist das für ein Name?) – ein typisches Stückchen Berlin. Bisschen angeranzt, aber irgendwie auch charmant. Zumindest während der Kirschblüte.

Zum Engelbecken schlendern
Nur wenige Gehminuten trennen euch von hier vom ehemaligen Luisenstädtischen Kanal, der Mitte des 19. Jahrhunderts erbaut wurde und Spree und Landwehrkanal verband. 1926 wurde er zugeschüttet und zu einer Gartenanlage umgestaltet. Ich laufe heute tatsächlich zum ersten Mal durch die einstige Wasserstraße, vorbei am detailreichen indischen Brunnen Richtung Engelbecken.


Das Engelbecken war der einzige Teil, der 1926 von dem Kanal übrig blieb. Nach dem 2. Weltkrieg allerdings wurde es als Schutthalde genutzt und erst 1999 wieder freigelegt. Schade, dass die ganzen Kletterpflanzen und Rosen noch nicht blühen, dann wäre das bestimmt noch etwas hübscher.

Wir entdecken den Eingang zum Engelbecken-Hof und beschließen, dass wir uns da mal umsehen. Tatsächlich sind es gleich mehrere Hinterhöfe im Jugendstil durch die man einen Rundgang laufen kann. Vielleicht nicht vergleichbar mit den Hackeschen Höfen, aber hübsch und mit einigen Wandmalereien.



Im Café am Engelbecken könntet ihr eine schöne kleine Pause einlegen, wir gehen gleich weiter zur Kirche St. Michael direkt dahinter, die ebenso wie der Kanal in den 1850er Jahren erbaut wurde. 1945 erlitt sie durch einen Bombenangriff schwere Schäden, bis heute ist das Bauwerk in Teilen eine Ruine geblieben.




Spaziergang zum Holzmarkt
Von dort könnt ihr in ca. 10 Minuten (oder 15, wenn ihr quatscht und langsam seid) zum Holzmarkt laufen. An schönen Tagen sehr voll, aber trotzdem einer meiner Lieblingsorte in Berlin. Ein bisschen ist es dort noch wie früher – auch wenn der Holzmarkt echt touristisch und hip ist.



Wir holen uns was zu trinken und setzen uns auf die Holzplätze am Wasser. Die Sonne scheint, die Leute scheinen entspannt und glücklich – hat was von Urlaub. Dann tuckert auch noch gemächlich die Kaiser Friedrich vorbei, Berlins ältestes erhaltenes Fahrgastschiff, das seit 2024 wieder auf Tour ist. Steht auch seit einer Weile auf meiner Berlinliste …

Spaziergang durch Berlin – ich liebe es
Am Ende waren wir uns einig: Der ganze Berlinhass, der in letzter Zeit über uns ausgeschüttet wird, ist Blödsinn. Ja, auch wir sind an einem Sperrmüllberg vorbeigelaufen. Das ist echt unschön! Tragt euren Scheiss doch einfach zur BSR, das ist in Berlin KOSTENLOS! Trotzdem ist es einfach toll, dass man loslaufen kann, immer neue Orte entdeckt, entspannt irgendwo ans Wasser sitzen kann, immer neues Eis testen usw. Liebt Berlin doch alle wieder ein bisschen mehr! Wir alle können dazu beitragen, wie cool und lebenswert die Stadt immer noch ist.
Hab mir am Holzmarkt übrigens zum ersten Mal was aus dem Tattoomat gezogen. Schaut doch mal bei meinem Artikel über Berlins verrückteste Automaten rein.




One Comment
Sabine Arndt
Voll schöner Text ♥️ Für mehr Berlinliebe, natürlich ohne die Schattenseiten zu ignorieren!